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Der Pipiismus ist frei, unabhĂ€ngig, und natĂŒrlich steht immer ein bisschen im Abseits.
Diese Haltung findet sich auch im Manifest wieder. Jedoch, um den Grad der Freiheit und Selbstbestimmung gerecht zu werden, ist es nicht möglich, ein verbindliches Manifest fĂŒr den Pipiismus zu schreiben. WĂŒrde es so sein, wĂŒrde er  sich selbst zensieren!
Die Lösung ist einfach! Jeder kann ein Manifest schreiben! Auch Du! Benutze einfach das Kontaktformular und sende uns dein Manifest. Wir veröffentlichen es umgehend!
📝🔐
Und denk immer daran: alles fĂŒr den Weltfrieden!

Pipiism is free, independent and of course always a bit offside. This attitude is also reflected in the manifesto. However, in order to do justice to the degree of freedom and self-determination, it is not possible to write a binding manifesto for the Pipiism. If that were the case, it would censor itself!The solution is simple? Everyone can write a manifesto! You too! Just use the contact form and send us your personal written manifesto. We publish it immediately!
📝🔐
You always remember: everything for world peace!

Ali Gharib 'Auch Behinderte dĂŒrfen ein O-manifest schreiben!', Pipiismus, 2017

O-manifest ‚Auch Behinderte dĂŒrfen ein O-manifest schreiben!‘, Pipiismus, 2017

++ Schreib ++
+++ dein Manifest und werde
++ O!!

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Pipiismus ist eine Haltung!
Pipiismus ist eine Reaktion!
Pipiismus ist frei!

Ali Gharib

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Manifest zum Pipiismus

Zum Stand der Dinge und ihrer Bewegungsmöglichkeiten

  1. Der Pipiismus ist eine Theorie & Praxis, die Beweglichkeit verlangt. Diese Beweglichkeit ist etwas anderes als jene MobilitĂ€t, welche die neue Ökonomie alltĂ€glich einfordert. Sie bietet sich nicht zur beliebigen FlexibilitĂ€t und zur Ausbeutung an. Sie versucht, mit einem Minimum an Besitz zu leben, pflegt eine Existenz auf Wanderschaft und ohne zugewiesene Disziplinen. Pipiismus ist eine Theorie & Praxis zwischen den StĂŒhlen und zwischen Welten.
  2. Der Pipiismus lebt nicht von der Substanz und von Onthologien, sondern von Beziehungsreichtum und Varianten. Darin besteht sein Luxus.
  3. Im Fall des Zweifels und gegebener Wahl ist fĂŒr den pipiistischen KĂŒnstler eine Entscheidung fĂŒr die Möglichkeit angebrachter als eine Entscheidung fĂŒr die RealitĂ€t. Je mehr der technische Alltag dafĂŒr programmiert wird, das Unmögliche möglicher zu machen, ist der Versuch reizvoll, das Mögliche mit seinen eigenen Unmöglichkeiten zu konfrontieren. Der Pipiismus ist unmöglich.
  4. Das Experiment hat Vorrang gegenĂŒber dem Test. Ersteres ist frei und birgt die Möglichkeit des Scheiterns in sich. Letzterer ist zweckgebunden und dient der Produktwerdung. Der Pipismus ist kein Produkt und will kein Produkt werden.
  5. Fortgeschrittene KĂŒnste sollten sich weniger an der Renovierung der Welt zu schaffen machen, als an dem nie endendem oder ĂŒberflĂŒssig werdendem Unterfangen, eine andere als die existierende Welt zu schaffen. Das schließt die Abarbeitung an dem, was da ist, ausdrĂŒcklich nicht aus. Im Gegenteil – das Vorhandene zu seinen Gunsten zu verĂ€ndern, ist das Ziel jeder pipiistischen Theorie und Praxis.
  6. Der Pipiismus ist eine Erscheinung an der Peripherie. Der ungeheure Aufwand, der nötig ist, um das Zentrum der politischen, ökonomischen, technologischen und kulturellen Macht zu besetzen, lohnt sich nicht. Existenzen und Bewegungen an der Peripherie haben höhere Grade an Freiheit, VergnĂŒgen und Überraschungen. Sie schließen gelegentliche Exkursionen durch die Mitte hindurch zu anderen Punkten an den RĂ€ndern nicht aus. Der Pipiist kennt den Geschmack von Kaviar und tritt dem Schöpfer nur best möglich gekleidet gegenĂŒber.
  7. Mehrfache IdentitĂ€ten gehören in vielfacher Hinsicht zur Grundausstattung der Aktivisten des Pipiismus. In ökonomischer Hinsicht bedeutet das, sowohl die Taktiken des Guerillero zu beherrschen, als auch zu wissen, wie der Kapitalist denkt und funktioniert. Der Pipiismus ist eine Unternehmung, die von ihren Teilnehmern ein gewisses Maß an krimineller Energie verlangt.
  8. FĂŒr die Theorie & Praxis des Pipiismus muss man nicht unbedingt nur Maler, nur Musiker, Photograph, Dichter, Regisseur oder Programmierer sein. Aber es ist sehr gut zu wissen, wie alle diese Professionellen denken und arbeiten. Ohne eine Achtung vor der Arbeit und der Arbeitsweise der anderen sind zusammengesetzte Projekte wie der Pipiismus nicht möglich. Die besten Kunstprojekte sind ohnehin zusammengesetzte Projekte, das heißt, Projekte, fĂŒr deren Realisierung man sich zusammensetzt und in der Auseinandersetzung zusammen arbeitet.
  9. FĂŒr einen KĂŒnstler, der durch den Pipiismus hindurchgeht, reicht es weder aus, nur Operateur noch, nur Magier zu sein. Der experimentelle Zugang zur Welt braucht Kritiker wie Heilende, Eingreifende genauso wie Handauflegende, am besten: magische Operateure und operative Magiere.
  10. Man muss nicht notwendig Psychiater oder Psychoanalytiker sein, wenn man sich durch die Theorie & Praxis des Pipiismus bewegt. Aber es ist gut zu wissen, wie deren TĂ€tigkeit im Spannungsfeld von Systemen einschrĂ€nkender Zensur und befreiender Phantasie beschaffen ist. Nur so ist es möglich, den letzten Kontinent zwischen Kunst und Überfluss, Anmaßung und Dekadenz zu bereisen und zu entdecken.
  11. Der Traum ist die mĂ€chtigste psychische Maschine, ĂŒber die wir nicht verfĂŒgen, aber von der wir ungeheuer profitieren können. FĂŒr den Pipiisten ist die Pflege der TrĂ€ume aus den Zwischenwelten mindestens genauso wichtig wie die stĂ€ndige EinĂŒbung in die profanen Dinge und Verrichtungen des Alltags. TrĂ€ume und AlbtrĂ€ume gehören fĂŒr den Pipiisten nicht gedeutet, sondern gelebt.
  12. Der Pipiismus ist nicht erfunden worden, um die RĂ€tselhaftigkeit der Welt um jeden Preis zu erhöhen. Aber der Pipiismus muss auch nicht notwendig die ungeheure Menge des ohnehin auf der Hand Liegenden, des Offensichtlichen wie SpektakulĂ€ren vergrĂ¶ĂŸern, schon gar nicht die Menge dessen, was sich gehört.
  13. Der Pipiismus benötigt keine starken Subjekte, im Gegenteil: der Pipiismus ist eine Bewegung der schwachen Subjekte, der Möglichkeit nach: der Vielen. Die einzige Poetik, der er sich verpflichtet fĂŒhlt, ist die Poetik der Relationen. In der Verbindungsarbeit entfalten die schwachen Subjekte ihre Kraft und IdentitĂ€t.

Siegfried Zielinski, Berlin, den 25. Dez. 2017

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